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Hilfe - mein Hund hat einen Tumor

Diagnose Krebs

Kaum eine Krankheit, vor der sich die Menschen mehr fürchten als vor Krebs! Auch unsere Vierbeiner werden immer öfter davon betroffen. Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen bei Hunden. Dennoch: Je früher die Erkrankung beim Hund erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Statistiken zufolge entwickelt jeder vierte Hund im Laufe seines Lebens einen Tumor. Der Hauptgrund dafür liegt auf der Hand: Immer mehr Hunde erreichen ein höheres Alter, und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung. Hinzu kommt, dass Tumore heute einfach häufiger erkannt werden als früher.
Text: Bärbel Jost


Mein Hund hat einen Tumor: Angst und Resignation, vor allem aber Hilflosigkeit bestimmen von nun an das Denken und Fühlen von Herrchen und Frauchen. Die Ungewissheit, ob der Vierbeiner auf die notwendige Behandlung anspricht, kennzeichnet von nun an das Leben bei der Diagnose Krebs. Ein Trost kann dabei sein, dass Krebs von allen altersbedingten Erkrankungen am ehesten heilbar und mitunter sogar am besten behandelbar ist. Eine Aussicht auf Heilung bei Diabetes Mellitus oder Herz- und Nierenerkrankungen besteht dagegen praktisch nicht. Zudem entwickelt sich die Onkologie im Bereich der Tiermedizin rasant und birgt heutzutage eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten und damit auch bessere Heilungschancen.

Krebs als klassische Alterserkrankung

Nahezu jeder zweite Hund über 10 Jahren leidet an einem Krebsgeschwür. Wie diese Geschwüre entstehen, erklärt Dr. Michael Willmann, Tiermediziner und Onkologe an der Universität Wien: „Am Anfang der Tumorbildung steht die Mutation eines Gens und damit die dauerhafte Veränderung des Erbguts. Sie wird entweder spontan oder durch die Einwirkung von krebsauslösenden Stoffen begünstigt. Normalerweise werden die veränderten Zellen durch das Immunsystem eliminiert. Doch manchmal entwickelt sich aus verschiedenen Gründen eine Immuntoleranz und das Immunsystem akzeptiert dann die bösartigen Zellen.“ Gerade bei betagten Hunden steigt die Wahrscheinlichkeit für diese spontane Reaktion. Mit jedem Lebensjahr ist der Körper länger krebserregenden Stoffen aus der Umwelt ausgesetzt. Abgase, Zigarettenrauch, ultraviolette Strahlung im Sonnenlicht und Umweltgifte, wie Pestizide und Herbizide, können krebserregend wirken. Da Hunde sich auf Auspuffhöhe bewegen, sind sie besonders den gefährlichen Autoabgasen sowie Feinstaubemissionen ausgesetzt. Auch die intensive UV-Strahlung der Sonne oder bestimmte Viren können Krebs auslösen. Die fünf häufigsten Krebsarten bei Hunden sind Hautkrebs, Lymphdrüsenkrebs, Maulhöhlenkrebs, Weichteil- und Knochenkrebs und bei Hündinnen Milchdrüsenkrebs.

Abwarten und Tee trinken ist falsch

Da sich Krebserkrankungen bei Hunden sehr unterschiedlich ausprägen und vor allem in Bezug auf die Prognose stark variieren können, ist eine möglichst exakte Diagnose notwendig. Sie ist meist ohne Operation mit einer Kombination aus Zelldiagnostik, Bildgebung und Blutuntersuchung im Rahmen des sogenannten Tumorstagings möglich. Wie bei vielen Erkrankungen gilt auch hier: Je früher ein Tumorleiden entdeckt und behandelt wird, um so größer ist die Chance auf Heilung. Steht die Diagnose fest, besteht die Tumortherapie in der Regel aus drei Säulen – Tumorchirurgie, Chemotherapie und Bestrahlungstherapie.
Dabei ist die Tumorchirurgie die erfolgreichste und besonders dann geeignet, wenn ein lokaler Tumor vorliegt, der sich im Körper noch nicht ausgebreitet hat. Entfernt man diesen vollständig, ist der Hund geheilt. Hat sich der Krebs aber bereits ausgebreitet, geht es weniger um Heilung als um die Verlängerung des Hundelebens bei guter Lebensqualität. Einige Krebsarten, z.B. Blutkrebs, sind nur mit einer Chemotherapie behandelbar. Die meisten Hunde vertragen die Chemo fast ohne die beim Menschen auftretenden bekannten Nebenwirkungen. Das liegt zum einen an der viel geringeren Dosis der Wirkstoffe, zum anderen aber auch an einem wesentlich resistenteren Magen- und Darmtrakt der Hunde. Die Bestrahlung wird bei klar lokalisierten Tumoren, die nicht chirurgisch entfernt werden können, z.B. in der Nase, eingesetzt. Oder auch bei lokal sehr aggressiven Tumoren, die nicht zu 100 Prozent chirurgisch entfernt werden konnten.
In jeder dieser drei Phasen steht das Wohlergehen des Vierbeiners im Vordergrund. Die Bereitschaft der Hundehalter, den vierbeinigen Liebling dabei zu begleiten, spielt eine große Rolle, auch wenn sie nicht die eigentlichen Patienten sind. Denn eine hohe Lebensqualität  während einer Krebsbehandlung sollte und muss weitestgehend erhalten werden. Durch den Tumor oder die Medikamente ausgelöste Symptome wie Schmerz, Durchfall oder Übelkeit sollten so weit es geht dem Hund erspart werden. Nur dann ist eine für alle Seiten zufriedenstellende Krebstherapie durchführbar und sinnvoll.

Therapieren um jeden Preis?

Die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit einer meist sehr aufwendigen Behandlung stellt sich für viele Tierhalter nicht. Zumal die Möglichkeiten der Tiermedizin heutzutage denen der Humanmedizin in nichts mehr nachstehen. Dennoch gibt es einen großen Unterschied zur Humanmedizin. Dort wird nach dem Motto behandelt: Entweder der Tumor oder der Patient. In der Tiermedizin wird dagegen versucht, den Tumor so zu unterdrücken, dass er dem Tier immer noch ein gutes, schmerzfreies Leben ermöglicht. Der Begriff der palliativen Therapie steht für diesen Ansatz, das heißt nicht die Verlängerung der Lebenszeit – koste es, was es wolle – sondern die Lebensqualität des Patienten steht im Vordergrund. Schwer einzuschätzen ist allerdings, bis zu welchem Zeitpunkt diese Lebensqualität gegeben ist und ab wann und in welchem Maße der Hund leidet. In einer wissenschaftlichen Studie haben Veterinär-Onkologen eine standardisierte Methode entwickelt, mit der objektiv messbare Parameter und subjektive Eindrücke der Hundehalter kombiniert und ausgewertet werden können. Eine unnötige Qual bis zum bitteren Ende kann dann dem geliebten Freund erspart werden. Im Gegensatz zu Humanmedizinern haben Tierärzte die Möglichkeit, einem Vierbeiner sinnloses Leid zu ersparen.

Quelle: Zeit für Tiere – Ausgabe Nr. 106