ARAS

Exquisite TiernahrungFrischdienst Depot NiederrheinRuhr - Eifel + Ostwestfalen

Leer

Summe: 0,00 €

WIR LIEFERN PERSÖNLICH
kostenlose Lieferung ab 10 €

Wolf früher - heute über vierhundert Hunderassen

Hunderassen – Qualzucht – unnötige Erbkrankheiten

Zucht und (Un)Ordnung

Seit zehntausenden von Jahren leben Menschen mit Hunden zusammen. Aus den einstigen Jagdhelfern, Wächtern und Hütehunden wurden Freizeitpartner und Familienhunde. Dabei sind aus dem Wolf weltweit über 400 Hunderassen entstanden – vom winzigen Chihuahua bis zur riesigen Dogge.
Text: Bärbel Jost

Je weiter sich ein Hund von der Urform entfernt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er unter seiner unnatürlichen Form leiden muss!

In dem Moment, als sich Wölfe dem Menschen anschlossen, ergriff der die Initiative und suchte sich für seine Zwecke den geeigneten Begleiter aus. Ursprünglich entstanden die meisten Hunderassen dadurch, dass jene Hunde, die sich am besten für bestimmte Aufgaben eigneten, miteinander verpaart wurden. Die gezielte Zucht auf bestimmte Eigenschaften und Merkmale machte Hunde zu unentbehrlichen Helfern. Im Laufe der Zeit entstand dadurch ein optisches Bild, das irgendwann einmal als Rassestandard definiert wurde. Rasse geht im Ursprung des Wortes auf gleichartige Wesenszüge und Eigenschaften zurück. Erst Mitte des 19. Jh. wurde die reine Schönheitszucht zum Maß aller Dinge. Wo es einst um Temperament, Charakter, Arbeitseignung, aber auch Gesundheit und Ausdauer ging, standen in der Rassehundezucht beinahe nur noch optische Kriterien im Vordergrund. Bei den Rassehunden von heute ist nicht mehr nur Leistung und Aussehen gefragt, sondern auch Unterhaltungswert und außerordentliche Eigenschaften als Sozialpartner in einem immer naturfremderen Umfeld. Bei der Auswahl einer Hunderasse wird heutzutage auch immer mehr auf fragwürdige Vorbilder geschaut. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten schmücken sich Stars und Sternchen mit Mops, Bulldogge und Co., und viele Menschen wollen es ihnen gleichtun. Doch nur wenige fragen sich: „Passt diese Rasse überhaupt zu mir? Kann ich dem Hund den adäquaten Lebensraum schaffen? Und wo finde ich einen verantwortungsvollen Züchter?”

Zur Verantwortung gehört auch der Verzicht, sich mit einem ungesund gezüchteten Hund zu schmücken, nur weil die Rasse momentan gerade „in” ist.

Das Tierschutzgesetz regelt in § 11b: „Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […], wenn damit gerechnet werden muss, dass bei derNachzucht […] erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.” Und trotzdem gibt es sie: Vierbeiner mit Atemnot, Lahmheiten, Haarlosigkeit, hervorstehenden Augen, Fehlbildungen des Gebisses, Missbildungen der Schädeldecke, um nur einiges zu nennen. Die Käufer scheinen sich keine Gedanken darüber zu machen. Hauptsache, die Rasse ist skurril und gerade angesagt.

Unnötige Erbkrankheiten

Unzählige Hunderassen haben seit Jahrzehnten Erbkrankheiten in ihrem Genpool. So wie z.B. die angeborene Taubheit beim Dalmatiner. Das ist der Preis, den diese Hunde für ihr schönes weißes Fell mit schwarzer Punktzeichnung zahlen. Denn das weiße Fell und die Entwicklung des Innenohrs sind beim Embryo genetisch miteinander verknüpft. Ein nicht unerheblicher Teil (ca. 30 Prozent) der Dalmatinerwelpen wird ein- oder beidseitig taub geboren. Die angeborene Taubheit ist unnötig wie ein Kropf, denn sie käme nicht vor, wenn die Ohren rein schwarz sein dürften oder sonstige größere Flecken – wie Monokel über den Augen – uugelassen wären. Aber diese sogenannten Plattenhunde fallen laut FCI Standard unter „disqualifizierte Fehler”.

Qualzucht wegen Schönheitswahn

Speziell bei den aktuell boomenden Kleinhunderassen werden alle Register gezogen, um dem sogenannten „Kindchenschema” mit kleiner Stupsnase, großen Kulleraugen und kleinem runden Kopf gerecht zu werden. Es verunstaltet die Hunde zu ewigen Babys, obwohl sie geistig und körperlich erwachsen sind. Die Folgen dieses zweifelhaften „Schönheitsideales” sind verengte Nasenlöcher und Nasenhöhlen, verlängerte und verdickte Gaumensegel, Kehlkopfveränderungen, verkürzte Kiefer und zu große Zungen, die nicht mehr ins Maul passen und demnach heraushängen. Betroffen sind vor allem Mops, Französische und Englische Bulldoggen, Shih Tzu, Pekinese und Boston Terrier. Die Hunde kommen daher mit schnarchenden oder röchelnden Atemgeräuschen, müssen ständig hecheln und können beim Fressen kaum Luft holen, weil sie nicht durch die Nase frei atmen können.

Nackthunde

Auch die haarlosen Hunde fallen nach dem deutschen Tierschutzgesetz unter den Begriff der Qualzucht und trotzdem werden sie bislang gezüchtet. Während die vergleichsweise kleinen Leiden, die mit der Haarlosigkeit einhergehen, eigentlich „nur” wegen einer Laune der Natur entstehen, sind die gezüchteten Fehlstellungen und Anomalien bei Mops und Co. hausgemacht. Geholfen werden kann diesen Vierbeinern nur durch aufwendige und teure Operationen, die den armen Tieren Linderung von ihrer Kurzatmigkeit verschaffen können.

Nur der vernünftige Welpenkäufer kann das Blatt wenden, indem er die Hunde beim Kauf kritisch betrachtet. Doch keineswegs darf man die gesamte Rassehundezucht verdammen oder die Bedeutung des Rassehundes infrage stellen, denn diese Hunde haben unbestritten den großen Vorteil, berechenbar zu sein. Generell sollte man auf Rassen verzichten, die züchterisch so missgestaltet wurden, dass sie sich nicht mehr ausdauernd bewegen können, weil sie zu schwer, zu kurzatmig oder zu  kurzbeinig sind. Gesunde Hunde vom Züchter haben den großen Vorteil, dass man in eine „Familie” eingebunden ist, in der man Rat findet. Der relativ hohe Preis ist dann gerechtfertigt, wenn der komplette Service stimmt. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn die unzähligen Zuchtverbände endlich auch mal den Mut hätten, sich von alteingesessenen Rasseideologien und -standards zu verabschieden. Mit Herz und Verstand für ihre Klientel ließen sich sicher viele der Probleme schnell und leicht lösen – wenn auch vielleicht mit der Erkenntnis, dass es dann bestimmte Rassen in altbekannter Art nicht mehr geben wird.

Quelle: Zeit für Tiere - Ausgabe Nr. 110